Hey Fremde:r,

die Entscheidung ist also gefallen. Ich werde hier abhauen. Für zwei Monate. Auch, wenn ich nicht weiß, wie die Corona-Situation im nächsten Jahr so wird… ich bin sehr zuversichtlich, was meine Reise angeht. Heute habe ich mir einen neuen Reisepass bestellt. In vier oder fünf Wochen werde ich ihn in den Händen halten. Schritt für Schritt merke ich, wie ich zu mir selbst finde:

Teilzeit-Ausreißer:in

Über einen etwas längeren Zeitraum aus dem Alltag auszubrechen, macht eine:n Ausreißer:in in Teilzeit aus. Wenn Du auch darüber nachdenkst einfach mal aus Deinem Leben abzuhauen, dann muss Dir bewusste sein, dass es gar nicht so einfach ist. Wir alle haben irgendwelche Verpflichtungen. Es müssen nicht immer negative Dinge sein, die uns zurückhalten. Wir haben Freunde, Familie, Jobs und Hobbies. Menschen, die vielleicht auf uns zählen. Ich kann nur von Glück reden, dass mein Umfeld vollkommen hinter mir steht. Dass mein Job es mir ermöglicht zwei Monate Urlaub zu machen. Dass meine Freunde und meine Familie mich vollkommen unterstützen. Aber das liegt vielleicht auch daran, dass sie mich gut kennen.

Ich hatte es schon immer mit der „Freiheit“. An manchen Tagen fühle ich mich so eingesperrt, dass ich kaum atmen kann. An anderen Tagen genügt ein Blick aus dem Fenster und ich fliege davon. Es kommt einfach auf die Stimmung an. Deswegen habe ich das Ausreißen in Teilzeit entwickelt. Immer, wenn ich das Gefühl hatte, dass die Wände wieder näher kommen, begann ich ein Bild in meinem Kopf zu malen: wohin würde ich gehen… gleich jetzt… wenn ich überall hinkönnte. Was würde ich dort tun? Wen würde ich treffen? Wer würde ich sein?

Im nächsten Schritt werden dann die Pläne konkreter. Es geht darum, darüber zu sprechen – ehrlich gesagt ein schwieriger Schritt. Wie erklärt man Menschen, die nun einmal Teil meines Lebens sind, dass ich vorhabe aus meinem Leben wegzulaufen – zumindest auf Zeit. Es bedeutet ja auch, dass ich vor ihnen weglaufe… in gewisser Weise. Hier ist also Feingefühl angebracht. Schließlich möchte ich niemanden verletzten. Das Ausreißen in Teilzeit ist für mich nichts, was mit äußeren Umständen zu tun hat – es kam einfach von mir. Aus meinem Inneren. Und das den Menschen zu erklären ist nicht unbedingt einfach. Ich wollte aber, dass die Leute wissen, dass ich nicht vor ihnen weglaufen möchte. Ansonsten wäre ich ja ein Vollzeit-Ausreißer und die Menschen würden sich Sorgen machen.

Kommunikation ist alles.

Auch wenn die Menschen es vielleicht für seltsam halten – bei mir dachten sie, dass ich einfach eine kurzzeitige Corona-Depressionen habe – also etwas, das sicherlich bald wieder vergehen würde. Nun ja. Das Gefühl ist nicht weggegangen. Und der Flug ist gebucht. Ich werde es durchziehen. In acht Monaten geht mein Flieger.

Und ich werde darin sitzen und Angst haben – und ich werde stolz auf mich sein.

Endlich habe ich verstanden, dass ich sein kann, wer ich sein möchte. Ich muss mich nur dazu entscheiden. Und das macht das Ausreißen in Teilzeit zur schönsten Gedankenspirale der Welt. Stay tuned & #stayOHsome

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